Hard Harder Heavy

Hard Harder Heavy

Joe Cocker meets System Of A Down? Das klingt nur auf den ersten Blick wie ziemlicher Kokolores. Denn was Neorize auf WE THE 99 abliefern hat zumindest von SOAD eine ganze große Menge an Einflüssen im Gepäck. Nicht nur die Stimme von Kingo ähnelt der vom Berufs-Wahnsinnigen Serj Tankian, auch die Gesangsmelodien sind stellenweise ähnlich latent orientalisch, dazu kommt diese ganz besondere Mischung aus Eingängigkeit und Raserei, die die LA-Boys, aber auch die Solo-Alben von Tankian und das großartige Scars-On-Broadway-Album so unvergleichlich macht. Was hingegen der olle Cocker-Bub in diesem Vergleich soll, hat sich mir auch nach mehrfacher Einfuhr des Albums nicht so recht erschlossen. Spielt aber auch keine Rolle, denn alleine wegen dieses obskuren Namedroppings bringt das Quartett, das erst im März 2013 gegründet wurde, ja doch ins Gespräch.

Das Album kann eine ganze Menge, "We the 99", "Digital Eternity" oder auch "Biogenetical Embrace", um einmal das Eröffnungs-Triplet zu nennen, wildert äußerst heavy und mit einer guten Portion positiven Irrsinns durch die Boxen heraus. Dabei wird Dynamik großgeschrieben, Eigenständigkeit noch größer, denn bei aller stilistischen Nähe zu SOAD haben die Jungs doch schon auf ihrem Debütalbum (man möchte es kaum glauben, so professionell wirkt hier alles) ihren eigenen Sound gefunden.
Beweisen auch "A new Deal" mit seinen Spoken-Word-Parts, "Generation of the Blue" mit dem coolen Flanger-Punk-Geriffe und "With open Eyes", das doch direkt als Ballade startet, ehe es wieder voll auf die Glocke gibt.

Überhaupt haben die Herren einen Hang zu dynamischen Spielereien, wie bei "Unbalanced Duality" zu hören ist, das mit Harmoniegesang beginnt, dann ordentlich Krach durch die Boxen schiebt, einen harmonischen Strophenteil hinterher liefert und dann wieder fett drückt. Abwechslungsreich nennt man das wohl auch... "A Former King’s Tale" hat nicht nur einen coolen Titel, sondern auch schöne Soundeffekte und ein feines Quietsche-Riff."Malnutritioned Mind Machine" führt die Riege der coolen Titel fort und überzeugt erneut mit richtig clever gesetzter Dynamik. "Nothing left" ist eine feine Power-Ballade, naja, also nicht wirklich balladesk, aber schon so zumindest in die Richtung gehend.
Richtig balladesk ist dann das abschließende "Dead faint of Democracy". Ein toller Schluss!

Fazit: Ein saustarkes - Verzeihung - Debüt-Album, das die vier Jungs von Neorize mit WE THE 99 da abgeliefert haben. Definitive Kaufempfehlung!

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